Unsere Gesellschaft wird zum 01.01.2018 aufgelöst. Wir, Christoph Gramann und Olaf Schwieger, sind weiterhin als freiberufliche Restauratoren — einzeln oder auch gemeinsam als projektbezogene Arbeitsgemeinschaft — tätig und unter den angeführten Kontaktdaten für Sie erreichbar.

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St.-Marien-Kirche in Bergen auf Rügen

Wandmalereien in Chor und südlichem Querhaus

Auf Grundlage der Ergebnisse eines DBU-Forschungsprojektes werden die bedeutenden Wandmalereien in der Kirche St.-Marien in Bergen auf Rügen seit dem Jahr 2010 restauriert. Eine zentrale Aufgabe der Restaurierungsmaßnahme besteht in der Reduktion der Gipsbelastung mit Hilfe von Ammoniumcarbonat- und Ionenaustauschharz-Kompressen.

Die Marienkirche in Bergen wurde in weiten Teilen im letzten Drittel des 12. Jahrhunderts und zu Beginn des 13. Jahrhunderts erbaut. Im 14. Jahrhundert erfolgten die teilweise Neuerrichtung des Westturmes, des Langhauses und der Chorapsis sowie der Einzug von Kreuzrippengewölben im gesamten Kirchenraum.

Bei der durchgreifenden Sanierung des Gebäudes in den Jahren 1896 bis 1902 wurden diverse baulichen Veränderungen der vergangenen Jahrhunderte zurückgenommen und nachträgliche Einbauten wieder entfernt.
In diesem Zusammenhang wurden auch die 1896 in Chor und Querhaus wiederentdeckten umfangreichen Reste eines Wandmalereizyklus aus dem späten 12. Jahrhundert freigelegt und restauriert. Die Putze und Malschichten an den übrigen Wand- und Gewölbeflächen wurden offensichtlich nahezu vollständig entfernt.
Anschließend erfolgten der Neuverputz und die Neuausmalung der Kirche, die eine großzügige malerische Ergänzung der romanischen Wandmalereien beinhaltete.

Die Beobachtung eines fortschreitenden Verfalls der Wandmalereien aufgrund von Salzausblühungen führte im Jahr 2003 zur Beauftragung einer restauratorischen Voruntersuchung.
Als Hauptschadensursache wurden die Gips- und Nitratbelastung der Malschicht im Zusammenwirken mit den klimatischen Bedingungen in der Kirche festgestellt. Daraufhin wurde ein Forschungsprojekt mit dem Ziel der Erarbeitung und Erprobung eines nachhaltigen Konservierungskonzeptes für die Wandmalereien in der Marienkirche initiiert (vgl. Andreas Weiß: Abschlussbericht zum DBU-Forschungsprojekt „Modellhafte und nachhaltige Sanierung durch Rauchgas- und Nitratemissionen geschädigter Wandmalereien in der Marienkirche zu Bergen auf Rügen im ostseetypischen Wechselklima“, 2009, unveröffentlicht).

Die Arbeitsgemeinschaft Lenzner, Gramann und Schwieger erhielt den Auftrag für die exemplarische Umsetzung des Konservierungskonzeptes an der Westwand des südlichen Querhauses sowie an dem angrenzenden südwestlichen Vierungspfeiler (Bauabschnitt 2010, Ausführungszeitraum August bis November 2010).

Neben der Reinigung der Wandoberfläche, der Konservierung von Putz und Malschichten sowie der Retusche der Malerei bildeten die Maßnahmen zur Passivierung der Gipsbelastung und zur Extraktion der leicht löslichen Salze aus dem Gefüge von Putz und Malschichten eine zentrale Aufgabenstellung. Die komplexe Schadensproblematik erforderte hierbei eine sensible, an die unterschiedlichen lokalen Gegebenheiten angepasste Vorgehensweise. Erst nach der Durchführung kleinteiliger Arbeitsproben und der überprüfung des Behandlungserfolges durch Materialanalysen erfolgten die entgültige Klassifizierung der Arbeitsbereiche für die Anwendung der Ammoniumcarbonat- bzw. der Ionenaustauschharz-Kompressen sowie die großflächige Salzbehandlung.

Die Arbeitsgemeinschaft Lenzner, Gramann und Schwieger wurde nachfolgend auch mit dem Bauabschnitt 2011 beauftragt (Chorsüdwand und angrenzender südöstlicher Vierungspfeiler, Ausführung Oktober 2011 bis voraussichtlich August 2012).

Auftraggeber

Ev. Kirchengemeinde Bergen auf Rügen

Auftragnehmer

Arge Lenzner, Gramann und Schwieger (Arbeitsgemeinschaft mit Dipl.-Rest. Sylvia Lenzner, Potsdam/Dresden)

Ausführungszeitraum

August bis November 2010 (Bauabschnitt 2010)
Oktober 2011 bis voraussichtlich August 2012 (Bauabschnitt 2011)

Leistungen

Projektpartner

Im 19. Jhd. freigelegte mittelalterlichen Wandmalerei

Die mittelalterlichen Wandmalereien wurden im ausgehenden 19. Jahrhundert freigelegt und im Sinne einer schöpferischen Restaurierung großzügig ergänzt.

Beeindruckende, großflächige, romanische Wandmalereien

Im Chor haben sich die beeindruckenden romanischen Wandmalereien noch großflächig und weitgehend unbearbeitet erhalten. Die Darstellung des Jüngsten Gerichts wurde durch den nachträglichen Einbau einer großen Fensteröffnung an der Oberkante beschnitten.

Einzigartige Atmosphäre durch vollständige Ausmalung

Die vollständige Gestaltung der Architekturoberflächen mit figürlichen und ornamentalen Malereien verleiht dem Kirchenraum eine einzigartige Atmosphäre. Die Westwand des südlichen Querhauses und der angrenzende Vierungspfeiler bildeten den ersten Bauabschnitt.

Gipspassivierung mittels Ammoniumcarbonat

Nach einer detailliert ausgeführten Klassifizierung erfolgte die Gipspassivierung mittels Ammoniumcarbonat bzw. Ionenaustauschharz. Die Ammoniumcarbonat-Methode (im Bild) wurde während der Bearbeitung modifiziert, um den Wassereintrag zu verringern.

Hinterfüllt mit Injektionsmörtel Ledan D 1

Die hohllagigen Putze wurden mit dem Injektionsmörtel Ledan D 1 hinterfüllt. Die Komplexität der Aufgabe erforderte ein hohes Maß an Fingerspitzengefühl.

Ausschnitt Jüngstes Gericht

Ausschnitt aus der Darstellung des Jüngsten Gerichts an der Südwand des Chores.

Ausschnitt der Wandmalerei, Westwand

Ausschnitt der Wandmalerei an der Westwand des südlichen Querhauses im Vorzustand.

Abnahme von Gipsschleier und Strichretusche

Durch die Abnahme der Gipsschleier und die zurückhaltend ausgeführte Strichretusche konnte die Lesbarkeit der Malerei deutlich erhöht werden.