Unsere Gesellschaft wird zum 01.01.2018 aufgelöst. Wir, Christoph Gramann und Olaf Schwieger, sind weiterhin als freiberufliche Restauratoren — einzeln oder auch gemeinsam als projektbezogene Arbeitsgemeinschaft — tätig und unter den angeführten Kontaktdaten für Sie erreichbar.

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Stiftskirche St.Cyriakus, Gernrode

Wand- und Gewölbemalereien

Die fragile Leimfarbenmalerei im Westchor der Stiftskirche St. Cyriakus in Gernrode wurde vor dem aktiven Verfall nachhaltig bewahrt. Die nach einem Entwurf Ferdinand von Quasts ab 1873 ausgeführte Malerei erhielt eine umfangreiche konservatorische Bearbeitung. Größere Fehlstellen wurden auf ausdrücklichen Wunsch der Kirchengemeinde unter Verweis an liturgische Notwendigkeiten auf Grundlage historischer Fotografien rekonstruiert.

Die Stiftskirche wurde erstmals im Jahr 961 erwähnt und ist eines der bedeutendsten ottonischen Architekturdenkmale Deutschlands. Im 12. Jahrhundert erfolgten überformungen – u.a. wurde auch die Westapsis hinzugefügt.

Im Rahmen der durchgreifenden Restaurierung der Jahre 1858 bis 1872 unter Ferdinand von Quast wurde die Westapsis nach seinem Entwurf neu ausgemalt. Die Leimfarbenmalerei ist dabei in drei horizontal gegliederte Bildzonen unterteilt worden. In der unteren Bildzone sind die figürlichen Abbildungen der brandenburgischen und anhaltinischen Fürsten dargestellt. In der darüber befindlichen horizontal gegliederten Bildfläche sind Aposteldarstellungen im Stile der oberitalienischen Quattrocento-Malerei abgebildet - sowie Darstellungen von Auferstehenden und Engeln mit Trompeten und Szenen aus dem Jüngsten Gericht.
In der Kalotte der Rundapsis befindet sich über dieser Szenerie die Darstellung des Christus als Weltenrichter. Flankiert wird diese Darstellung von den Evangelistensymbolen, Apostel- und Heiligendarstellungen. Darüber befinden sich Engelsfiguren auf einem Wolkenband.

Auf Grundlage einer umfangreichen Untersuchung zum Bestand und zur Schadensproblematik (2002) wurden die Wandmalereien in der Zeit von Juni 2003 bis Juni 2004 aufwendig konserviert, retuschiert und schließlich großflächig rekonstruiert.
Die Retuschen wurden eine Gradationsstufe heller angesetzt als der Umgebungston der Wandmalerei. Damit wurde eine enge Angleichung an den historischen Bestand erreicht, bei der bei näherer Betrachtung jedoch weiterhin eine Unterscheidbarkeit zwischen Retusche und ursprünglicher Ausmalung möglich ist.

An der Kalotte der Apsis war an der nördlichen Seite ein großer Ausbruch in der Malerei nachzuweisen. Auf der südlichen Seite - bis in die Bildzone darunter reichend - waren ebenfalls größere Malereiausbrüche vorhanden.
Die Entscheidung für eine Rekonstruktion wurde in enger Absprache mit den zuständigen Fachbehörden der Denkmalpflege, dem Auftraggeber und dem Planungsbüro getroffen. Die figürlichen Darstellungen wurden über ein Raster auf die Wand übertragen und detailliert eingemessen. Die Gesichter und andere Details wurden aus den historischen Fotografien entnommen, auf ein entsprechendes Format gescannt und über Lochpausen auf die Wand übertragen.

Auftraggeber

Evangelische Kirchengemeinde Gernrode

Auftragnehmer

Gramann, Schwieger und Spies GbR (ab 2005: Gramann und Schwieger GbR)

Ausführungszeitraum

Juni 2002 bis Juni 2004

Leistungen

Projektpartner

Schlechter Vorzustand der Leimfarbenmalereien

Der Zustand der Leimfarbenmalereien war im Vorzustand äußerst bedenklich. Durch Wassereinbrüche war in Teilzonen ein Totalverlust gegeben. Die Farbschichten zeigten sich hinsichtlich ihrer Bindekraft zudem deutlich geschwächt.

Schadens- und Maßnahmenkartierung

Für die umfangreichen, restauratorischen Sicherungsmaßnahmen wurde im Vorfeld eine kombinierte Schadens- und Maßnahmenkartierung erstellt.

Originalentwurf von Ferdinand von Quast

Die Archivbestände waren glücklicherweise recht umfangreich. Der Originalentwurf von Ferdinand von Quast hatte sich überliefert.

Vollständig und detailliert ergänzte Gewölbemalerei

Die aufwendig konservierte Gewölbemalerei wurde schlussendlich vollständig und detailliert ergänzt. Lediglich die leicht hellere Farbigkeit der Ergänzungen erwirkt eine Unterscheidung zum historischen Bestand.

Festigung mittels Cellulosederivate

Die Festigung der desolaten Malereien erfolgte vollflächig mit dem Pinsel über Japanpapier mittels Cellulosederivaten.

Anbindung der Malschicht an den Träger

über ein kräftiges Andrücken auch mit Hilfe von Haushaltspapier wurde die Malschicht wieder an den Träger angebunden.

Ungefestigter und rechts gefestigter Zustand.

Das Bild zeigt links den ungefestigten Zustand, rechts den gefestigten.

Vorzeichnung der zu rekonstruierenden Wandmalereien

Die Vorzeichnung umreißt schon die zu rekonstruierenden Wandmalereien.